„Irgendwann ist Schluss mit lustig! Interventionen in Werbung“

… ist der Titel eines Werkstatt – und Ausstellungsprojektes von Wiebke Trunk und Nanna Lüth, welches 2007 von beiden im Berliner Kunstverein arttransponder kuratiert wurde. Wie Christina in ihrem Beitrag „Introducing facism and nazism“ schon erwähnte, fanden während der Kollaborationen um pöpp68 auch Beteiligungsprojekte und Workshops statt, die sich auf die Ausstellung rückbezogen oder Gedanken weiterentwickelten.
„Irgendwann ist Schluss mit lustig!“ ist ein Projekt von Trunk und Lüth, welches pöpp68 vorausging und sich als thematische Orientierung und sinnvollen Ausgangspunkt für das pöpp68-Projekt von Nanna Lüth in Kooperation mit Bojana Pejic und Sanja Ivekovic erwies. Christina berichtete in „Introducing facism and nazism“ über die Vorgeschichte dieses Projektes, ausgehend von Sanja Ivekovic.
Ich möchte hier über die Vorgeschichte des Projektes, ausgehend von Nanna Lüth, schreiben.
Nanna Lüth selbst formuliert „Irgendwann ist Schluss mit lustig! “ als ein Projekt, das eine queere, feministische und postkoloniale Agenda vertritt (Vgl. pöpp68, S.193). Auslöser und Ausgangspunkt des Projektes bildete ein Werbemotiv der Fernsehzeitschrift Hörzu, welches 2006 eine öffentliche Debatte ausgelöst hatte und von feministischen, antirassistischen und medienkritischen Initiativen als diskriminierend und menschenverachtend kritisiert wurde (Vgl. pöpp68, S. 194).
Unter folgendem Link ist ein Exemplar der Werbekampagne zu sehen, welches besonders für Aufruhr sorgte. Die Antwort des Hörzu-Werberats auf die Debatten und Beschwerden war die Berufung auf die in der Werbung existierende Meinungsfreiheit. Von öffentlicher Kritik gegenüber den Verantwortlichen keine Spur.
So fühlten sich Nanna Lüth und Wiebke Trunk dazu berufen, auf „Irgendwann nimmt man nicht mehr irgendwas“ mit „Irgendwann ist Schluss mit lustig“ zu antworten.

Deutschland hat derzeit eine besondere Vorliebe für frauenfeindliche und rassistische Werbekampagnen. Widerstand dagegen gibt es kaum, Kritik wird nicht öffentlich verhandelt

- lautete der Ankündigungstext der Ausstellung. Des weiteren formulierten sie:

Das Projekt „Irgendwann ist Schluss mit Lustig!“ antwortet auf (hetero)sexistische, xenophobe und andere diskrimierende Tendenzen in aktuellen Werbebildern. Neben der Präsentation altbekannter herabsetzender Klischees sind die visuelle Ausbeutung und Vermarktung des vermeintlich normal gewordenen „Anderen“ alltäglich geworden.

Um darauf aufmerksam zu machen, entwickelten sie folgendes Konzept: Das für Aufruhr sorgende Hörzu- Exemplar bildete die Grundlage der Einladungskarte zur Ausstellung. Eingefügt wurden Gedankenblasen, in denen den Empfänger_innen die Möglichkeit geboten wurde, ihre Gedanken und Ideen einzufügen und an die Galerie zurückzuschicken. So konnten Interessierte mit ihren Gedanken an dem Projekt partizipieren, welche zudem auch Teil der Ausstellung wurden, denn die bearbeiteten Karten wurden ausgestellt. Zusätzlich konnten Besuch_innen der Ausstellung weitere Sprechblasenblätter, die an die Wand geklebt wurden, mit Kommentaren versehen. Die Teilhabe vieler intendierte die Erweiterung der Diskussion und zugleich die Herausforderung von Autoren_innenpostionen (Vgl. pöpp68, S. 194).
Die Ausstellung kombinierte Video, Fotografie und Installation mit theoretischen und bildwissenschaftlichen Texten. 15 Künstler_innen und Wissenschaftler_innen nahmen teil und beschäftigten sich entweder mit dem Ausgangsmotiv oder einer anderen Werbekampagne.
Unter folgendem Link ist ein kleiner fotografischer Einblick in das Projekt zu finden.