„Introducing facism and razism“/Schulprojekt

„Introducing facism and nazism“ ist ein Comic von Stuart Hood und Litza Jansz, der 1993 erschienen ist.

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Der Comic verfolgt die Ursprünge und schildert die Facetten der internationalen faschistischen Bewegungen im 19. Jahrhundert. In aufklärerischer Manier legt er einem breiten Publikum unter anderem die Leitmotive und -gedanken von Nietzsche, Wagner und anderen Intellektuellen, die zur Entwicklung und Förderung von rassistischem Gedankengut und zur Entstehung des Holocausts beigetragen haben, dar.
Wie in „Introducing facism and nazism“ und „Irgendwann ist Schluss mit lustig“ geschildert, hatte Sanja Ivekovic die Idee, den Comic zu übersetzen und in Deutschland zu publizieren. Dieses Vorhaben inspirierte Nanna Lüth und Christine Lohr zur Entwicklung und Realisierung eines Projektes mit dem Kant-Gymnasium in Berlin-Spandau. Es war der Wunsch Nanna Lüths auf dem Weg zur Publizierung des Buches Schüler_innen partizipieren zu lassen. Lüth:

Mir war es wichtig, in diesem Prozess junge Menschen zu erreichen, da diese mehr und mehr zur Zielscheibe der Aktivitäten von rechtsgerichteten Initiativen werden. Gruppen wie die NPD versuchen, gerade mittels populärer Medien (wie beispielsweise der „Schulhof-CD) junge Anhänger_innen zu finden und ihre rechten Inhalte zu verbreiten. Auch populäre Web 2.0-Plattformen sowie der Vetrieb von extrem gewaltverherrlichenden, rassistischen und homophoben Computerspielen werden zur „Rekrutierung“ von Nachwuchs genutzt. (pöpp68, S. 211)

Innerhalb des Faches Kunst sollten Aspekte des Comics thematisiert, bearbeitet und weiterentwickelt werden. Aufgrund der Themendichte, der Zielgruppe sowie des begrenzten schulischen Gestaltungsspielraums wurde das Projekt allerdings auf die Ästhetik des Nationalsozialismus beschränkt, zeitgenössische Werbung diente als Referenz (Vgl. pöpp68, S. 207). Zudem erwies sich die fremde Sprache des Comics, die Komplexität der Bildsprache und die Existenz von politischen Begriffen ohne Erläuterung als schwieriges Unterfangen, so dass eine Umstruktierung des Projektes unabwindbar war. Einzelne Seiten des antifaschistischen Comics schließlich bildeten die reduzierte inspirative Grundlage des Projektes. Das Ziel war nun, so Lüth, „mit den Medien Zeichnung und Fotografie über Körperposen und vergeschlechtliche, individuelle, nationale Identifikationsmuster nachzudenken“ (pöpp68, S. 211). Denn Körperdarstellungen seien überdies ein Thema, welches den Interessen der Jugendlichen zuteil kommt.

Wie werden Ideologien ästhetisch verpackt und medialisiert? Wie sehen und beurteilen die Schüler_innen die historischen Identifikationsangebote? - sind die orientierungsstiftenden und zielorientierenden Fragen innerhalb des Projektes.
Die Schüler_innen skizzierten zunächst einander in Alltagspositionen und idealisierten Posen, um ein Gespür dafür zu bekommen, mit welchen Mitteln Körper idealisiert werden (können). Anschließend dienten Fotografien aus dem Buch Körperformationen von Adran Schmidke, welches Körperdarstellungen von Sportlern und Sportlerinnen aus der Zeit des Nationalsozialismus analysiert, und Fotografien aus dem Film Olympia (1938) als Einstieg in Analyse, Diskussion, Vergleich, Erkenntnis.
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Abbildung einer typischen Frauendarstellung aus Körperformationen (Schmidke)

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Fotografie einer typischen Männerdarstellung aus dem Film Olympia (1938)

Wie weit wirken hier Geschlechtercodierungen? Wie bedeutsam ist der propagandistische Verwendungszusammenhang für das Lesen der Bilder? – sind die diesbezüglich an die Schüler_innen adressierten Fragen (pöpp68, S. 212).
Verglichen wurden diese historischen Abbildungen mit den Inszenierungen zeitgenössicher Werbung oder der sozialen Kampagne „Deutsche gegen rechte Gewalt“ (2001).
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Beispiel für zeitgenössische Parfumwerbung (2006)

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Deutsche gegen rechte Gewalt (2001)

Als Erkenntnis, resultierend aus dem Vergleich, welche Idealisierungen sich fortsetzten und welche mit der Zeit nicht mehr gezeigt werden, kann folgendes festgehalten werden: Menschen, die dem Ideal des „starken“, muskolösen, schlanken Körpers entsprechen, gelten nach wie vor als „Idealtypus“ (Vgl. pöpp68, S. 212).
Überdies dachten die Schüler_innen über die in dem Bildmaterial häufig auftretenden Begriffe „National – und Superheld“ nach. Eine Anfertigung von Plakaten zu diesem Thema und ihrer Vorstellung von „Heldin/Held“ folgte. Die Resultate zeigten differente Vorstellungen, über Helden_innen mit körperlichen Handicaps, oder Antihelden, wie Homer Simpson im Superman-Kostüm mit der Aufschrift „Was macht einen wahren Helden aus?“ bis zu Typisierungen, die an nationalbesetzte Motive erinnern (Uncle-Sam-“I want you“-Geste) oder Normierungen des Heldentums, Frauen sind keine „echten Helden“, festlegten.
Alle Produkte des Projektes waren in der pöpp-Ausstellung zu sehen.