Faktor Kunst

Rutschen, Samen säen, ein Bonbon aufheben und damit die Form einer ‚Skulptur’ verändern — immer öfter können oder sollen RezipientInnen bei künstlerischen Projekten mitmachen. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts ist es ein fester Bestandteil im Repertoire künstlerischer Strategien, vormalige BetrachterInnen zu aktivieren, sich physisch an der Realisierung, Gestaltung oder Nutzung einer künstlerischen Arbeit zu beteiligen. KünstlerInnen gestalten Erfahrungsparcours und Ambients, sie laden zu Nachbarschaftsprojekten ein und zu aktivistischen Arbeitskreisen, die z.B. demokratische Teilhabe an Stadtplanung und -gestaltung einfordern. In all ihrer Unterschiedlichkeit und stellvertretend für die Bandbreite künstlerischer Beteiligungsprojekte werden solche Arbeiten unter dem Begriff ‚partizipatorische Kunst‘ subsumiert.
Warum aber und wozu entwickeln KünstlerInnen Projekte, die auf die körperliche (und soziale) Aktivierung ihrer RezipientInnen angelegt sind? Partizipatorische Strategien in der Kunst entspringen ursächlich dem Wunsch von KünstlerInnen, das traditionelle Kunstverständnis aufzubrechen, den Kunstbegriff zu revidieren und den Kunstbetrieb zu demokratisieren. Seit den 1970er Jahren tritt vermehrt eine Unzufriedenheit mit den kulturellen, sozialen und politischen Rahmenbedingungen hinzu. Diese beiden Gründe waren und sind bis heute die wichtigste Motivation für KünstlerInnen, alternative künstlerische, z.B. partizipatorische Praxen zu entwickeln.

Gefunden auf blog.factor-kunst.com . Nachzulesen unter „Faktor Kunst 2011″. Interessant hier auch die Differenzierung partizipatorischer Praxis in vier Typen: Individualpartizipation, systemische Partizipation, konjunktivische Partizipation und sozietäre Partizipation.